PRO HUMAN - Ihr Partner im Alter

Unser Pflegekonzept

Verzeichnis

Einführung

PRO HUMAN arbeitet leitbildorientiert, theoriegeleitet und konzeptgeleitet. Während im allgemeinen das Leitbild als richtungweisendes Ideal der Vorstellung beschrieben wird, deren Verwirklichung in der Praxis durch Wahl entsprechender Grundsätze, Methoden oder Einzelziele angestrebt wird, ist unser Leitbild eine direkte Abbildung unseres Handelns. Damit ist dies für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen direkt nachvollziehbar. Beim theoriegeleiteten Arbeiten stützen wir uns auf bekannte Pflegemodelle und Theorien aus Pflege und Hauswirtschaft. Als Grundgerüst dient uns dabei das von der Darmstädter Pflegeprofessorin entworfene Strukturmodell der AEDL. In unserem Pflegekonzept setzen wir die Qualitätsvereinbarung für stationäre Einrichtungen um, in welcher steht: „Die vollstationäre Pflegeeinrichtung verfügt über eine dem allgemeinen Stand der pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechende Pflegekonzeption, die auf Aktivitäten und existenziellen Erfahrungen des täglichen Lebens und die individuelle Situation der Bewohner aufbaut.“ Damit unsere unser Pflegekonzept ebenso anschaulich sein, dass eine bildhafte Vorstellung unserer Einrichtung, unsere geschichtliche Entwicklung, unsere Ziele, Arbeitsabläufe und einzelner Verfahren gewonnen werden kann.

Pflegemodell nach Monika Krohwinkel

Unsere Pflege orientiert sich am Pflegemodell von Monika Krohwinkel. Ihre theoretischen Erkenntnisse und praktische Verfahren wurden hauptsächlich zwischen 1983 und 1997 im Zusammenhang mit Forschungsprojekten im klinischen und häuslichen Bereich entwickelt Dabei stehen Personen mit längerem Pflegebedarf und deren persönliche Bezugspersonen im Vordergrund. Krohwinkel wurde beeinflusst durch Carl Rogers (humanistische Psychologie) und Maslow (Teile in ihren Zusammenhängen und Wechselwirkungen mit dynamischen Ganzheiten zu sehen). Zudem wurde sie auf pflegetheoretischer Seite beeinflusst durch Martha Rogers (Synergie), Hildegard Peplau und Joyce Travelbee (interpersonale Beziehung) sowie von Virginia Henderson (ADL`s, Haupt- und nachgestellte Aufgaben der Pflege = Managementmodell).

Das Modell bezieht sich auf ein primär personenbezogenes, fähigkeits- und förderorientiertes System. Es ist weniger an Defiziten orientiert, sondern viel mehr an Fähigkeiten der Pflegebedürftigen. Ziel ist hierbei, dass der Mensch Bedürfnisse entwickeln und mit seinen Fähigkeiten umgehen kann, auch im Bezug auf die Bedürfnisbefriedigung. Ist ein Mensch hierzu nicht mehr in der Lage, übernimmt die Pflegekraft die Verantwortung und tut die Dinge stellvertretend für den Pflegebedürftigen, die er getan hätte, wenn er Wissen, Kraft und Fähigkeiten dazu hätte. So werden die Lebensaktivitäten realisiert und dabei existenzielle Erfahrungen einbezogen. Damit dies gelingt ist eine gründliche Beobachtung in diesem Prozess wichtig. Hierfür maßgeblich sind empathisches Zuhören, sowie die Sicherung und Gestaltung prozessfördernder Pflege durch alle Beteiligten.

Notwendige Kompetenzen unserer Pflegekräfte

Somit benötigt jede Pflegekraft bei PRO HUMAN:

- die Kompetenz Ressourcen, Fähigkeiten und Probleme zu erkennen, damit diese in den Pflegeprozess integriert und durch Dokumentation transparent gemacht werden können.

- Die Fähigkeit zu ganzheitlichem, systemischen Denken und Handeln, damit nicht nur jedes AEDL für sich betrachtet wird, sondern auch in Wechselwirkung mit anderen AEDL gesehen wird und der Mensch als mehr als die Summe seiner Einzelteile gesehen wird.

- Empathie, damit fördernde Maßnahmen eine Übereinstimmung der physisch- funktionalen Verhaltensdimension mit der willentlich- emotionalen Verhaltensdimension aufweisen.

- Die Fähigkeit zu kongruentem Verhalten, also zu Übereinstimmung in verbaler und nonverbaler Kommunikation zu pflegerischen Handlungen.

- Die Fähigkeit zu Kontinuität, damit der Pflegebedürftiger auch im Beziehungsprozess eine fördernde Betreuung erhalten kann, die verlässlich ist.

Das AEDL-Struktur-Modell

Die Aktivitäten des täglichen Lebens werden in 13 Bereiche geteilt, die in Wechselwirkung stehen, aber keiner Hierarchie unterliegen, hierzu gehören:

- Kommunizieren können

- sich bewegen können

- Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten können

- Sich pflegen können

- Essen und Trinken können

- Ausscheiden können

- Sich kleiden Können

- Ruhen, schlafen und sich entspannen können

- Sich beschäftigen und lernen können

- Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können

- Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können

- Soziale Bereiche des Lebens sichern und Beziehungen gestalten können

- Mit den existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können

Gerade die letzten beiden Bereiche weisen hierbei Besonderheiten auf. Sie zeigen auf, dass Erfahrungen sowohl aus der Vergangenheit wie auch aus der Gegenwart eine Bedeutung für die empfundene Sicherheit haben können. Deshalb muss das individuelle Leben und die Prägung durch die Biographie der Pflegebedürftigen berücksichtigt werden.

Als existenzfördernde Erfahrungen sind dabei zu nennen: Wiedergewinn von Unabhängigkeit, Zuversicht/ Freude, Vertrauen, Integration, Sicherheit, Hoffnung, Wohlbefinden und Sinn finden.

Als existenzgefährdende Erfahrungen werden betrachtet: Verlust von Unabhängigkeit, Sorge/ Angst, Misstrauen, Trennung, Isolation, Ungewissheit, Hoffnungslosigkeit sowie Schmerzen / Sterben und Langeweile.

Sowohl existenzfördernd wie auch existenzgefährdend wirken Erfahrungen aus dem Wiedergewinnen von Unabhängigkeit, sowie aus kulturgebundenen Erfahrungen wie Weltanschauung, Glauben oder Religionsausübung.

Auswirkungen auf die Anamnese

Der Mensch hat Erfahrungen gesammelt, die positive/ negative Auswirkungen hatten. Diese werden sich auf das Erleben in ähnlichen Situationen auswirken. Seine Erfahrungen beeinflussen seine Zufriedenheit, sein psychisches Wohlbefinden und auch seine körperliche Verfassung. Deshalb sind diese Erfahrungen als kundenbezogene, individuelle Faktoren zu erfassen und in die Pflege mit einzubeziehen. Diese Erfahrungen können in allen AEDL vorliegen. Sinnvoll ist deshalb bereits bei der Anamnese danach zu fragen. Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:Haben Sie solche Probleme früher schon einmal gehabt? Wenn ja, was haben sie getan, um sich zu helfen?

Wie haben Sie das Problem damals empfunden Was hat es für Sie bedeutet?

Was hat Ihnen damals geholfen oder gut getan?

Welche Erfahrungen machen Sie aktuell mit dieser Situation?

Wie empfinden Sie die vorliegende Einschränkung jetzt?

Was bereitet Ihnen Angst dabei?

Welche Maßnahmen würden Sie als hilfreich empfinden? Bei Menschen mit inadäquater Kommunikation ist anstelle einer Befragung die Beobachtung wichtig.

Das AEDL „Soziale Bereiche des Lebens sichern und Beziehungen gestalten können“ wurde besonders für Menschen im Bereich der Altenpflege aufgenommen, da nach einem Heimeinzug in eine Einrichtung eine akute Gefährdung sozialer Beziehungen besteht. Es ist nötig vorhandene Beziehungen zu fördern oder die Schaffung neuer sozialer Beziehungen zu unterstützen. Nach Krohwinkel vollzieht sich das menschliche Existieren in menschlichen Zusammenhängen, d.h. die Einzigartigkeit des Menschen drückt sich z.B. darin aus, dass seine Existenz immer an zwischenmenschliche Beziehungen gebunden ist. Hinzu kommt die Einbindung Angehöriger und Freunde, da dies für Pflegebedürftige die Schnittstelle zur Vergangenheit darstellt und die Gegenwart und das Dasein in Einrichtung erleichtert.

Die existenzfördernden Erfahrungen

Es gilt im Pflege- und Betreuungsprozess besonders die fördernden Fähigkeiten, Erfahrungen und Bedürfnissen zu unterstützen. Diese sind insbesondere:

- etwas darstellen können, anerkannt werden

- für andere da sein können, für andere etwas bedeuten

- Erfahrungen von früher mitteilen und mit anderen teilen

- sich selbst im Bett und aus dem Bett heraus bewegen können

- selbst bestimmen/entscheiden können

- mitbestimmen/mitentscheiden, gefragt werden

- sicher sein, wann jemand kommt, wie mit einem umgegangen wird

- sich sinnvoll beschäftigen können

- Menschen haben, die einem zuhören

- Gefühle zeigen können, dabei nicht zurück gewiesen werden

- sich mit Krankheit und Schwäche auseinandersetzen und sich dabei entwickeln können

- als Mensch in seinen Problemen und Bemühungen respektiert werden.

Unser Pflegesystem und Pflegeprozess

Unsere Pflege gliedert sich in vier Phasen, die einen individuellen Problemlösungs- und Beziehungsprozess ermöglichen. Dieser basiert auf dem Pflegemodell nach Krohwinkel und ist an das 4- Phasenmodell der WHO angelehnt:

- Erhebung der Daten. Dies bildet das Fundament für die Planung und Durchführung der Pflege. Sie beinhaltet die Informationssammlung, das Beschreiben pflegerelevanter Fähigkeiten, Bedürfnisse und Probleme. Wir erfassen diesen Teil bereits nach AEDL.

- Planung der Pflege. Die Planung ist begründet und fachkompetent durchgeführt. Neben Ressourcen und Problemen werden hier geeignete Maßnamen und deren effiziente Umsetzung geplant.

- Durchführung der Pflegemaßnahmen. Diese werden fachgerecht und zeitgerecht durchgeführt und dokumentiert. Dabei werden die erforderliche Qualifikation und auch das verantwortungsvolle Handeln der Pflegekraft sichergestellt.

- Auswertung der Pflegemaßnahmen. Zuletzt wird regelmäßig die Wirksamkeit des Pflegeprozesses überprüft und bewertet.

Anschließend beginnt der Prozess wieder mit der Erhebung der veränderten Daten.Organisatorisch ist unsere Pflege in die drei Bereiche Heimpflege, Kurzzeitpflege und Tagespflege geteilt. Für jede Gruppe ist mindestens eine Fachkraft verantwortlich. Sie plant und überprüft die Pflege, sie erreichen sämtliche gruppenrelevanten Informationen und sie trifft pflegerische Entscheidungen. Zudem ist die für die regelmäßige Pflegvisite ihrer Gruppe zuständig. Sie kommuniziert mit Ärzten, Angehörigen, gesetzlichen Betreuern oder anderen externen Bezugspersonen. Die Gruppenleitung ist für den Pflegeprozesses direkt verantwortlich.

Standards

Ein Standard ist aus unserer Sicht eine sehr enge Festlegung. Ein Standard duldet daher in der Regel auch keinerlei Abweichung von diesem. Aus diesem Grund verzichten wir weitgehend auf Standards in der Pflege und verwenden stattdessen Richtlinien. Diese geben die Richtschnur einzelner Tätigkeiten vor, lassen jedoch in begründeten Fällen Ausnahmen zu. So kann der Mitarbeiter nach fachlicher Entscheidung und im Sinne des Pflegegastes in Einzelfällen von der Richtlinie abweichen. Individuelle Pflege ist somit weiter gesichert und dennoch qualitätsgesichert.

Unsere Richtlinien gliedern sich in die Bereiche:

- Ernährung

- Mobilität

- Ausscheidung

- Prophylaxen

- Krankenbeobachtung

- Behandlungspflege

- Indirekte Pflegeleistungen

- Betreuungsleistungen

- Allgemeine Richtlinien

Jeder Mitarbeiter der Pflege erhält einen Ordner mit sämtlichen aktuellen Pflegerichtlinien. Deren Anwendung wird mittels Dienstanweisung gesichert. Zudem werden die Pflegerichtlinien in den verschiedenen Pflegemaßnahmen explizit benannt. Desweiteren bilden die Pflegerichtlinien einen wichtigen Baustein im Einarbeitungskonzept neuer Mitarbeiter, als auch in der Ausbildung von Pflegeschülern. Sowohl im Plenum des Qualitätszirkels, wie auch von den examinierten Fachkräften selbst werden die Pflegerichtlinien regelmäßig auf Aktualität überprüft und gegebenenfalls angepasst. Ebenfalls werden neue Erkenntnisse der Pflegeforschung wie beispielsweise nationale Expertenstandards eingefügt und ergänzt.